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Hexe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Verbrennung von Anna Vögtlin als Hexe vor dem Unteren Tor von Willisau (Schweiz), 1447

Als Hexe wird in Märchen, Mythen und im Volksglauben eine mit Zauberkräften ausgestattete Frau bezeichnet.[1]

In der europäischen Kultur wurde seit dem späten Mittelalter angenommen, Hexen stünden durch einen Teufelspakt oder die Teufelsbuhlschaft mit Dämonen oder dem Teufel in Verbindung. Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde der Begriff Hexe bzw. Hexer als Fremdbezeichnung für Frauen und Männer verwendet, die unter dem Vorwurf der Hexerei verfolgt wurden.

Hexe wird heute auch als abwertende Bezeichnung für eine weibliche Person genutzt, die der Sprecher als bösartig oder hässlich herabsetzen möchte.[2]

Die Hexe, von Albrecht Dürer, um 1500
Hexentanzplatz in Trier (Flugblatt, 1594)

Das deutsche Wort Hexe (zu mittelhochdeutsch hecse, hesse, althochdeutsch hagzissa, hagazussa) ist eine verdunkelte Zusammensetzung, deren Verwandte sich nur im westgermanischen Sprachraum finden: mittelniederländisch haghetisse und altenglisch hægtesse (im Neuenglisch zu hag verkürzt).[3] Althochdeutsch hag bedeutet Zaun, Hecke, Gehege. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg[4] sieht im althochdeutschen hag nicht Zaun, Hecke, Gehege, sondern die einzelne Zaunlatte, auf der das Hexenwesen reite.

Früher Wortgebrauch

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1402/03 ist in einem Rechnungsbuch aus Schaffhausen von einem „hegsen brand“, also einer Hexenverbrennung, die Rede.[5] Der Begriff „Hexereye“ wird 1419 in einem Zaubereiprozess gegen einen Mann im schweizerischen Luzern verwendet.[6] Der Humanist Johannes Aventinus nennt um 1526 diverse Schreibweisen und Varianten des Wortes Hecsen, Häcs, Häts, Hets, Hätz.[7]

Andere Bezeichnungen im Deutschen

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Eine ältere deutsche Bezeichnung der Hexe ist Unholde oder Unholdin, männliche Form Unhold. Dieser Ausdruck bezeichnet auch Gespenster oder allgemein dämonische Wesen. In Süddeutschland wurden Drude oder Trude und Truderer, Trudner, in Norddeutschland die niederdeutschen Ausdrücke Töversche und Töverer (= „Zauberische“, vgl. niederländisch tovenaar, „Zauberer“), Wickersche und Wicker, Galstersche und Galsterer (mittelhochdeutsch Galster bedeutet „Zauberlied“, vergleiche Nachti-„gall“) oder Böterin und Böter (= Gesund-„Betende“, Heilende) verwendet.

Nach den zugeschriebenen Eigenschaften und Fähigkeiten der Hexen wurden auch die Begriffe Milchstehlerin und Milchstehler,[8] Bock­reiterin und Bockreiter, Gabelreiterin und Gabelreiter, Zaunreiterinnen (túnriđur),[9] Weissagerin und Weissager, Zeichendeuterin und Zeichendeuter, Mantelfahrerin und Mantelfahrer, Kristallseherin und Kristallseher oder allgemein Böse Leute (Malefikanten) verwendet.

Hexenglaube ist der Glaube an die reale Existenz von Hexen mit Zauberkräften, wie er im Volksglauben vorkommt und der sich zum Hexenwahn steigern kann.

Im 13. Jahrhundert v. Chr. beschuldigte der hethitische Großkönig Muršili II. seine Stiefmutter und amtierende Großkönigin Tawananna, durch Hexerei sowohl seinen Sprachfehler als auch den Tod seiner Ehefrau verursacht zu haben.[10] Im frühen Judentum des Alten Testaments wird Zauberei bekämpft.

Auch in anderen antiken Kulten gab es das Bild der Schadenzauberin und kräuterkundigen[11] Zauberin, zum Beispiel Kirke und Medea in der griechischen Mythologie. Beide sind mächtige Zauberinnen mit Kräuterwissen und verschiedenen magischen Fähigkeiten, die sie einsetzen, um zu helfen oder zu schaden. In der antiken Literatur tauchen „Hexen“ als zauberkräftige Menschenfrauen wie Kirke und Medea auf, die mit Magie und Giften angeblich Menschen und Tiere verzaubern konnten. Ovid erzählte in den Fasti von Striges, anthropomorphen, hexenartigen Frauengestalten, und Horaz erfand die Canidia.

Vor allem die antike Göttin Hekate war stark mit dem antiken Hexenglauben verbunden. Ursprünglich wurde sie als eine gütige und wohltätige Göttin angesehen, doch ab dem 5. Jahrhundert vor Christus wurde sie zur Schirmherrin aller magischen Künste. Man glaubte, sie führe die Zauberinnen an und lehre diese ihre Künste. Die Hexenbilder des antiken Griechenlandes erinnern stark an die Hexenbilder, die im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit entstanden (Fähigkeit der Verwandlung, das Verhängen von Zaubern, Hexenflug, Kräuterwissen, Menschenopfer und Leichenmissbrauch).

Im antiken römischen Recht stand die Schadenzauberei (z. B. mittels Fluchtafeln) unter Strafe.

Mittelalter und Neuzeit

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Hexenszene (um 1700)

Von etwa 1300 bis 1550 kam es in Europa zu einem Anwachsen des Hexenglaubens, wobei auch Astrologie, Magie bzw. Zauberglauben und Traumdeutung eine zunehmende Bedeutung erlangten.[12] Der Kirche gelang es im Mittelalter nicht, den Hexenglauben aus dem Volksglauben zu verdrängen. In verschiedenen Gegenden Europas konnten erhaltene Volksbräuche und -kulte erschlossen werden: Carlo Ginzburg wies in „I Benandanti (1966) für Friaul das Weiterleben volkstümlicher antiker Traditionen im christlichen Gewand nach. Für Spanien hat Julio Baroja (Die Hexen und ihre Welt, 1967) in den Provinzen Biskaya und Guipúzcoa die Verbindung von Hexenglauben und einer Gebirgsgottheit Mari aufgezeigt. Keith Thomas (Religion and the Decline of Magic: Studies in Popular Beliefs in Sixteenth- and Seventeenth-Century England, 1971) konnte ähnliche Ergebnisse in England finden.

Männliche Hexen wurden in der Hexenlehre als Hexer, Zauberer, Drudner, Trudner, Hexerich[13] oder schlicht als Malefikanten (Übeltäter) bezeichnet. Hexenmeister galten als Lehrermeister der Hexerei.[14] Augustin Loß aus Plaidt 1629 äußert in seinem Geständnis, „die wohlhabenden Hexen und Hexenmeister hätten in einem Palast diniert, er selbst habe nicht an diesem Tisch Platz nehmen dürfen“.[15] Ein Drudner galt als kräuterkundig, aber dennoch als Übeltäter.

Hexenglaube in Skandinavien

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The Night-Hag Visiting Lapland Witches von Johann Heinrich Füssli

Bereits die germanischen Sagas berichten, dass Hexen und Zauberer zu bestrafen sind, da sie mit unerlaubten, magischen Mitteln ihren Willen anderen aufzwingen oder in die Natur eingreifen um anderen Schaden zuzufügen. Beispielsweise wird von Eiríkr blóðøx berichtet, dass er 80 Zauberer verbrennen ließ. Bei den südgermanischen Völkern stand auf das Zubereiten von Tränken, welche die weibliche Unfruchtbarkeit bewirken, die Todesstrafe. Mindeststrafmaß war für Giftmischen, Wettermachen und Zauberei sieben Jahre – war dies auch verbunden mit dem Dienst oder Pakt mit bösen oder zumindest überirdischen Mächten, so wurden 10 Jahre daraus.

Seit frühester Zeit galten die Samen als besonders zauberkundig. Saxo Grammaticus schreibt:

„Sunt autem Finni ultimi Septentrionis populi, vix quidem habitabilem orbis terrarum partem cultura ac mansione complexi. Acer iisdem telorum est usus. Non alia gens promptiore jaculandi peritia fruitur. Gandibus & latis sagittis dimicant, incantationum studiis incumbunt, veationibus callent. Incerta illis habitatio est, vagaque domus, ubicunque, ferma occupaverint locantibus sedes. Pandis trabibus vecti, conferta nivibus juga percurrunt.“

„Die Finnen sind ein Volk im äußersten Norden, die einen kaum bewohnbaren Teil des Erdkreises bewohnen und dort das Land bebauen. Der tüchtige Gebrauch der Speere ist bei ihnen üblich. Kein anderes Volk zieht besseren Nutzen aus der praktischen Kenntnis des Speerschleuderns. Sie kämpfen mit schweren und dicken Pfeilen, sie widmen sich der Zauberei, haben Erfahrung in der Jagd. Ihr Wohnsitz ist nicht fest, und ihr Haus ist unstet, wo auch immer, nehmen sie ihren Wohnsitz in der Wildnis. Auf Reisen laufen sie auf gekrümmten Brettern durch zusammenhängende Bergketten voller Schnee.“

Adam von Bremen: Saxonis grammatici historiæ Danicæ[16]

Adam von Bremen schreibt im 11. Jahrhundert, dass in Norwegen Wahrsager, Vogeldeuter, Zauberer, Beschwörer und andere Diener des Antichrist leben würden.

Schon in den isländischen Sagas werden Zauberinnen erwähnt. Der Zauber bezog sich in der Regel auf die Herbeiführung schweren Unwetters oder die Herstellung von Kleidung, die kein Schwert durchdringen konnte. Wie die Praktiken vollzogen wurden, wird so gut wie nie geschildert. Eine der ganz seltenen Schilderungen betrifft den Versuch einer zauberkundigen Frau, ihren missratenen Sohn dadurch vor Verfolgung zu schützen, dass sie seine Gegner in Wahnsinn verfallen lassen wollte.

„Og er þeir bræður komu að mælti Högni: ‚Hvað fjanda fer hér að oss er eg veit eigi hvað er?‘ Þorsteinn svarar: ‚Þar fer Ljót kerling og hefir breytilega um búist.‘ Hún hafði rekið fötin fram yfir höfuð sér og fór öfug og rétti höfuðið aftur milli fótanna. Ófagurlegt var hennar augnabragð hversu hún gat þeim tröllslega skotið. Þorsteinn mælti til Jökuls: ‚Dreptu nú Hrolleif, þess hefir þú lengi fús verið.‘ Jökull svarar: ‚Þess er eg nú albúinn.‘ Hjó hann þá af honum höfuðið og bað hann aldrei þrífast. ‚Já, já,‘ sagði Ljót, ‚nú lagði allnær að eg mundi vel geta hefnt Hrolleifs sonar míns og eruð þér Ingimundarsynir giftumenn miklir.‘ Þorsteinn svarar: ‚Hvað er nú helst til marks um það?‘ Hún kvaðst hafa ætlað að snúa þar um landslagi öllu ‚en þér ærðust allir og yrðuð að gjalti eftir á vegum úti með villidýrum og svo mundi og gengið hafa ef þér hefðuð mig eigi fyrr séð en eg yður.‘“

„Und als die Brüder herbeikamen, sprach Högni: ‚Was für ein Teufel kommt dort auf uns zu? Ich weiß nicht, was es ist.‘ Thorstein erwiderte: ‚Da kommt Ljot, das alte Weib, und hat sich sonderbar geputzt.‘ Sie hatte sich die Kleider vorn über den Kopf geworfen und ging rückwärts und streckte den Kopf zwischen den Beinen nach hinten. Gräulich war der Blick ihrer Augen, wie sie ihn wie die Trolle zu schießen wussten. Thorstein rief Jökul zu: ‚Jetzt schlag Hrolleif tot. Du hast lange darauf gebrannt.‘ Jökul antwortete: ‚Dazu bin ich gern bereit‘, und hieb ihm den Kopf ab und wünschte ihn zum Teufel. ‚Ja, ja,‘ sagte Ljot, ‚nun war es nahe daran, dass ich meinen Sohn Hrolleif hätte rächen können. Aber die Ingimundssöhne sind gewaltige Glücksmänner.‘ Thorstein antwortete: ‚Warum meinst du das?‘ Sie sagte, sie habe das ganze Land umstürzen wollen, ‚und ihr wäret toll geworden und verrückt draußen bei den wilden Tieren geblieben. Und so wäre es auch gekommen, wenn ihr mich nicht eher gesehen hättet, als ich euch.‘“

Vatnsdœla saga[17]

Moderne Hexenverfolgung

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Moderner Hexenglaube und die damit an vielen Orten einhergehene Hexenverfolgung beschreibt soziale Stömungen nach dem Abflauen der Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit in Europa und Amerika.

Der Glaube an Hexen und ihre Verfolgung als Personen, die vermeintlich Schadenzauber ausführen, sind in vielen Ländern und Kulturen[18], z. B. in Lateinamerika, Südostasien[19] und vor allem in Afrika[20][21], auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiterhin gegeben. Seit 1960 sind Historiker Wolfgang Behringer zufolge vermutlich mehr Menschen wegen Hexerei hingerichtet oder umgebracht worden als während der gesamten europäischen Verfolgungsperiode.[22] Dort werden seit den 1990er-Jahren jährlich 100 bis 200 Fälle von Morden an vermeintlichen Hexen bzw. Zauberern berichtet.[23] Der Hexenglaube hat nach einigen Untersuchungen teilweise erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Situation eines Landes.[24]

Angela Spook, die Hexe von der Königsallee, 2008
Wicca-Zeremonie in Avebury, 2005
Frau mit Blumenkranz und Mann mit Efeu in den Haaren, die sich küssen.
Handfasting
Aus Pflanzen bestehende Statue einer Göttin
Mutter Erde verkörpert die Natur

Westlicher Hexenbegriff im 20. Jahrhundert

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1949 veröffentlichte Simone de Beauvoir das Werk Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, in dem sie Hexen als den ältesten und abgegriffensten aller Mythen bezeichnet: Der Mann werde durch „das abgegriffene Vokabular der Feuilletonromane, in denen die Frau als Hexe, als Zauberin beschrieben wird“ angelockt und ausgesaugt. „Die verderbte Hexe stellt die Leidenschaft der Pflicht, den gegenwärtigen Augenblick der Einheit der Zeit entgegen, sie hält den Wanderer der Heimat fern, sie breitet Vergessen über ihn aus“.

1975 schrieb Alice Schwarzer in „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“: Feministinnen sind „Mannweiber“, „Politfurien“ und „Brockenhexen“. „Ich habe sehr schnell versucht, die Markierung als ‚Hexe vom Dienst‘ zu unterlaufen. Aus politischen Gründen, aber auch aus privaten: Eine solche Häme verletzt trotz allem Wissen um die Motive der Geifernden.“

Emma Bonino, Feministin und Politikerin, ehemalige EU-Kommissarin, Angehörige der Radikalen Partei in Italien, das Informationszentrum für Sterilisation und Abtreibung. Deshalb wurde sie 1975 von Papst Paul VI. als Hexe bezeichnet.

In den 1970er Jahren demonstrierten italienische Frauen gegen das Abtreibungsverbot und laufen mit den Worten „Tremate, tremate, le streghe son tornate“ durch die Straße („Erzittert, erzittert, die Hexen sind zurückgekehrt“).[25]

1977 und 1978 gab es in Freiburg und 1981 in Kassel in der Walpurgisnacht Demonstrationen von Frauen gegen Vergewaltigung.

Modernes Hexentum

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Durch die Vorstellung, die Hexen seien eigentlich „weise Frauen“ gewesen, die von den Herrschenden verfolgt wurden, bietet der Hexentopos ein weites Spektrum der Identifikation für das Neuheidentum und die Esoterikszene. Der Begriff Hexe wird hierbei in positiver Weise neu verstanden. Als Hexe bezeichnen sich manche viele Frauen, die sich unter anderem mit Heilkräutern[26] und alten europäischen Religionen beschäftigen.[27] Auch Männer bezeichnen sich heute manchmal als „Hexe“. Im Modernen Hexentum gibt es verschiedenen Strömungen, die Traditionen genannt werden.

Naturspiritualität

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Die Natur wird in der Naturspiritualität als heilig oder sogar gottgleich angesehen, sie gilt als Ursprung allen Seins, als allumfängliche lebensspendende Kraft.[28][29] Moderne „Hexen“ versuchen im Einklang mit der Natur zu leben und nutzen dazu verschiedene psychologische und meditative Techniken, die im Hexentum häufig als Magie bezeichnet werden.[30][31][32]

Für die meisten Rituale innerhalb des Hexentums werden keine künstlichen Dinge, sondern nur der eigene Körper und Gegenstände genutzt, die man entweder in der Natur finden kann, oder die aus Dingen gefertigt wurden, die man in der Natur findet. Fast alle Rituale, Andachten und Festtage werden im Freien verbracht. In vielen Traditionen wird auch vorher andere Kleidung angelegt, um einen genauen Übergang vom Alltag in die magische Arbeit zu symbolisieren. Geburt, Leben und Tod, der Kreislauf von Tag und Nacht und der Wandel der Jahreszeiten werden als Naturwunder wahrgenommen und gefeiert. In Ritualen zu den Jahreskreisfesten wird der Natur unter anderem für ihre Gaben gedankt.[33]

Strömungen im Modernen Hexentum

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Wicca ist nicht nur ein spiritueller Pfad oder eine Lebensart, sondern auch eine Religion, die sich als neue Form einer heidnischen „Naturreligion“ der Hexen versteht. Die Traditionen des Wicca stammen vermutlich aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert aus der Region des New Forest. Der Begriff Wicca wurde von Gardner etabliert, welcher die Traditionen schriftlich fixierte, zusammenfasste und so den Grundstein für den Wandel von einem spirituellen Pfad in eine organisierte Religion legte.[32][34]

Stregheria ist eine italienische Tradition des Hexentums, die erstmals 1899 schriftlich erwähnt wurde.[35] Seinen Ursprung hat Stregheria vermutlich im 14. Jahrhundert. Es orientiert sich sehr stark an okkulten Vorstellung und ist dem Wicca sehr ähnlich, mit dem wesentlichen Unterschied, dass es keine Coven gibt und dass Göttin und Gott nicht nur als Sinnbilder, sondern tatsächlich als real existent angesehen werden.[36]

Die Celtic Witches berufen sich speziell auf Wurzeln in der keltischen Mythologie und Religion.

Hexenfiguren in Literatur und Volkskunde

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Die Kategorie:Fiktive Hexe enthält literarische Figuren zeitgenössischer Literatur und Film. Weitere künstlerische Werke mit den Thema Hexerei sind in der Kategorie:Hexerei in der Kultur zu finden.

Hänsel und Gretel, Ludwig Richter

Märchen von Hexen finden sich zahlreich in der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Das bekannteste ist wohl das Märchen von Hänsel und Gretel, in dem die Hexe mit allen Merkmalen dargestellt wird, die ihr der Volksglaube angedichtet hat. Unterstützt wurden die beiden von ihrem Bruder Ludwig Grimm, der als Illustrator der ersten Auflage der Hexe ihr typisches Aussehen gab.

Die literarischen und filmischen Verarbeitungen des Hexenmotivs sind zahllos und reichen von Shakespeares Macbeth über Goethes Faust, Fontanes Die Brück’ am Tay und Bulgakows Der Meister und Margarita bis etwa zum Warners: Lolly Willowes. Das traditionelle (Schreckens-)Bild der Hexe lebt in modernen Märchen wie Hexen von Eastwick fort.

Daneben zeigt sich jedoch eine neue Tradition positiver Hexenbilder in der Literatur. Während Die kleine Hexe bei Otfried Preußler (1957) wegen ihrer guten Taten noch zur Außenseiterin wird, kennen heutige Kinderbücher überwiegend „gute“ Hexen (Bibi Blocksberg, Lisbeth, Zilly, Charmed) oder lassen gute und böse Hexen gleichermaßen zu (Harry Potter). Der Begriff der Hexe hat hier seine frühere negative Bedeutung weitgehend eingebüßt.

Die Hexe lebt oft in einem besonderen Hexenhaus. Im Märchen von Hänsel und Gretel ist es zum Beispiel ein Pfefferkuchenhaus. Die Hexe Baba Jaga lebt dagegen in einem Häuschen auf einem Hühnerbein, das sich drehen kann.

Folklore und Fasnachtshexen

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Strohhexenpuppe (Funkenhexe) an der Spitze eines Fastnachtsfeuers

Im Harz, wo für die Walpurgisnacht das Treffen der Hexen auf dem Blocksberg (Brocken) vermutet wurde, wird das folkloristische Hexen-Brauchtum weiter gepflegt.[37]

Im Bereich der schwäbisch-alemannischen Fastnacht wie auch in der tirolischen Fastnacht treten Fastnachtshexen auf, die sich im 20. Jahrhundert vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum inflationär vermehrt haben. Viele Hexenzünfte beziehen sich ausdrücklich auf die Hexenverfolgung der Frühen Neuzeit.

Hexenfiguren in verschiedenen Kulturen

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  • Baba Jaga, Hexe in der (ost)slawischen Mythologie und im Märchen
  • Vedmak, slawische Mythologie
  • Jenny Greenteeth, Flusshexe aus der englischen Folklore
  • Louhi, Hexe des Nordlands im finnischen Kalevala-Mythos
  • Ragana, litauische und lettische Hexe
  • Yamauba, japanische Berghexe
  • Yuki Onna, japanische Schneehexe
  • Grýla, isländische Hexenfigur
  • Gabriele Becker u. a. (Hrsg.): Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes. 9. Auflage. Edition Suhrkamp. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 978-3-518-10840-6.
  • Wolfgang Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. dtv, München 1993, ISBN 3-432-02957-9.
  • Wolfgang Behringer: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung. 6., durchgesehene Auflage, C.H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-41882-2.
  • Johannes Dillinger: Hexen und Magie. Eine historische Einführung. Campus, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38302-6.
  • Richard van Dülmen (Hrsg.): Hexenwelten. Magie und Imagination vom 16.–20. Jahrhundert. Frankfurt am Main 1987.
  • Marco Frenschkowski: Die Hexen. Eine kulturgeschichtliche Analyse. (MarixWissen). Marix, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-86539-965-6.
  • Gilbert G. Groud: Magie Noire. Über Hexenglauben in Afrika. Albin Michel, Paris 2003, ISBN 2-226-13642-8.
  • Ronald Hutton: The Witch: A History of Fear, from Ancient Times to the Present. Yale University Press, New Haven 2017, ISBN 978-0-300-22904-2.
  • Hexen. In: Lexikon des Mittelalters. Band 4, Sp. 2201–2204.
  • NN: Hexen – Analysen, Quellen, Dokumente. Elektronische Ressource (CD-ROM), Directmedia Publishing, Berlin 2004, ISBN 3-89853-493-6.
  • Matthias Pöhlmann (Hrsg.): Neue Hexen. Zwischen Kult, Kommerz und Verzauberung. (EZW-Texte. Bd. 186). Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin 2006, ISSN 0085-0357.
  • David Pickering: Lexikon der Magie und Hexerei. Aus dem Englischen übersetzt von Regina van Treeck. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0323-1.
  • Felix Wiedemann: Germanische Weise Frau, Priesterin, Schamanin. Das Bild der Hexe im Neuheidentum. In: Uwe Puschner, G. Ulrich Großmann (Hrsg.): Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. (= Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Band 29). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-20040-5, S. 266–279.
  • Hans-Jürgen Wolf: Hexenwahn und Exorzismus. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. Historia Verlag, Kriftel 1980, ISBN 3-9800257-0-5.
Commons: Hexen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Hexenwesen – Quellen und Volltexte
Wiktionary: Hexe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Hexe – Zitate

Einzelnachweise

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  1. Wolf-Dieter Müller-Jahncke: Hexen. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 591–592.
  2. Duden | Hexe | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft. In: duden.de. Abgerufen am 5. Dezember 2022.
  3. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005.
  4. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Tabu Homosexualität – Die Geschichte eines Vorurteils. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-10-007302-9, S. 84 und 259–263.
  5. Vgl. Erster Beleg für eine Hexenverbrennung 1402 im Stadtarchiv Schaffhausen
  6. Heike Albrecht: Hexenglauben, Hexenverfolgung, Hexenwahn im Deutschland der Frühen Neuzeit: Ansatz einer soziologischen Analyse. diplom.de, 2002, ISBN 978-3-8324-5556-9 (google.de [abgerufen am 6. Dezember 2022]).
  7. Vgl. Johannes Aventinus: Bayerische Chronik. Buch I, Kapitel 65 Von den kriegsweibern (Sämmtliche Werke 4/1), hrsg. von Matthias Lexer, München: Christian Kaiser 1882, S. 148–153 (Online-Ressource, abgerufen am 5. Januar 2012); erste Drucke der Handschriften in Frankfurt von Simon Schard 1566 und Nikolaus Cisner 1580.
  8. Auch Buttervögel, Schmiervögel oder Schmalzflügel, weil man meinte, dass Hexen sich zum Stehlen oder Vergiften der Milch und Butter in Schmetterlinge verwandeln können.
  9. Die Edda (Simrock 1876): Hâvamâl, Odins Runenlied.
  10. Jörg Klinger: Die Hethiter, C.H.Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53625-0, S. 101.
  11. Vgl. auch Dieter u. Barbara Beckmann: Alraun, Beifuß und andere Hexenkräuter: Alltagswissen vergangener Zeiten. Frankfurt am Main / New York 1990.
  12. Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 19.
  13. Hexerich, der. In: duden.de. Abgerufen am 7. Januar 2014.
  14. Hexen. Hexen-Meister., Melissantes alias Johann Gottfried Gregorii, in Gemüths vergnügendes Historisches Hand-Buch für Bürger und Bauern : in welchem in Form eines kurtz gefaßten Historischen Lexici von allerley Ständen, Künsten, Handwercken und Wissenschafften, deren Urhebern und Erfindungen kurtze Nachricht ertheilet wird, Franckfurth und Leipzig, [Arnstadt], bey Johann Jacob Beümelburg, Digitalisat des Münchener Digitalisierungszentrum, Bayerische Staatsbibliothek
  15. Rita Voltmer: Jagd auf „böse Leute“. Hexenverfolgungen in der Region um den Laacher See (16. bis 17. Jahrhundert). In: Plaidter Blätter. Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins. Plaidt 1.2003, S. 11–24.
  16. Saxonis grammatici historiæ Danicæ libros XVI. Hrsg. v. Stephanus Johannis Stephanius. Sorö 1645. Lib. V, S. 93, Zeile 3 bis 9.
  17. Vatnsdœla saga. Kap. 26.
  18. Mandy De Waal: Witch-hunts: The darkness that won’t go away. In: dailymaverick.co.za. 30. Mai 2012, abgerufen am 5. Dezember 2022 (englisch).
  19. Salman Ravi: Village 'witches' beaten in India. In: BBC News. 20. Oktober 2009, abgerufen am 12. April 2018 (englisch).
  20. Adam Nossiter: Witch Hunts and Foul Potions Heighten Fear of Leader in Gambia. In: The New York Times. 20. Mai 2009, abgerufen am 12. April 2018 (englisch).
  21. Thomas Veser, Ouagadougou: Burkina Faso: Die Seelenfresserinnen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 29. Juli 2022]).
  22. Wolfgang Behringer, C. Müller: Hexenverfolgung damals und heute. Deutsche Welle, 10. August 2020, abgerufen am 5. Dezember 2022.
  23. Unterstützung von Alten, Behinderten, Kleinkindern, Probleme alter Menschen - 02/2007 – Tansania Information. In: tansania-information.de. Abgerufen am 29. Juli 2022.
  24. Wie der moderne Hexenglaube unseren Wohlstand gefährdet. In: nationalgeographic.de. 30. November 2022, abgerufen am 27. Februar 2024.
  25. Silvia Bovenschen: Die aktuelle Hexe, die historische Hexe und der Hexenmythos. Die Hexe – Subjekt der Naturaneignung und Objekt der Naturbeherrschung. In: Gabriele Becker u. a. (Hrsg.): Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes. 1995.
  26. vgl. exemplarisch: Gerd Haerkötter, Marlene Haerkötter: Hexenfurz und Teufelsdreck. Liebes-, Heil- und Giftkräuter: Hexereien, Rezepte und Geschichten (mit einem Anhang Hexen heute von Elisabeth Haerkötter), 4. Auflage. Frankfurt am Main 1987.
  27. Werner Tschacher: Hexe/Hexenmuster/Hexenverfolgung. In: Christoph Auffarth, Jutta Bernard, Hubert Mohr (Hrsg.): Metzler-Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. Bd. 2, J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, S. 38.
  28. Anna-Lena Wulf: Hexentum. In: Pfad der Hexen. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Februar 2022; abgerufen am 14. Februar 2022.
  29. Gerhard Schormann: Hexe. In: Gerhard Müller (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie. Band 15. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-019098-4, S. 298 ff.
  30. Shina Edea: Was ist eine Hexe. In: Der Lilienhain. Abgerufen am 4. Februar 2022.
  31. Shina Edea: Häufige Fragen zum Thema Hexe. In: Der Lilienhain. Abgerufen am 4. Februar 2022.
  32. a b Ronald Hutton: The Triumph Of The Moon: A History of Modern Pagan Witchcraft. 1. Auflage. Oxford University Press, 2001, ISBN 0-19-285449-6 (englisch).
  33. Vivianne Crowley: Naturreligion - Was Sie wirklich darüber wissen müssen. 1998, ISBN 3-442-14111-7.
  34. Patti Wigington: Wicca, Witchcraft or Paganism? In: Learn Religions. 12. Januar 2020, abgerufen am 12. Februar 2022 (englisch).
  35. Charles Godfrey Leland: Aradia, or the Gospel of the Witches. 1899 (englisch).
  36. Raven Grimassi: Common misunderstandings about my writings. In: ravengrimassi.com. 2005, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 6. November 2005; abgerufen am 12. Februar 2022 (englisch).
  37. Deike Diening: Walpurgisnacht im Harz – Wenn Hexen und Teufel Kurtaxe zahlen. tagesspiegel.de, 1. Mai 2014.