Lexikon
Rundfunk
Rundfunkanstalten (Auswahl)
Deutschland | |
Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) | |
1. | Landesrundfunkanstalten |
Bayerischer Rundfunk (BR) | |
Sendegebiet: Bayern | |
Hessischer Rundfunk (HR) | |
Sendegebiet: Hessen | |
Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) | |
Sendegebiet: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | |
Norddeutscher Rundfunk (NDR) | |
Sendegebiet: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Freie und Hansestadt Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern | |
Radio Bremen (RB) | |
Sendegebiet: Freie Hansestadt Bremen | |
Saarländischer Rundfunk (SR) | |
Sendegebiet: Saarland | |
Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) | |
Sendegebiet: Berlin und Brandenburg | |
Südwestrundfunk (SWR) | |
Sendegebiet: Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz | |
Westdeutscher Rundfunk (WDR) | |
Sendegebiet: Nordrhein-Westfalen | |
2. | Anstalten des Bundesrechts |
Deutsche Welle (DW) | |
Sendegebiet: Ausland | |
DeutschlandRadio | |
Sendegebiet: Deutschland und das europäische Ausland | |
Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF) | |
Sendegebiet: Bundesrepublik Deutschland | |
Österreich | |
Österreichischer Rundfunk (ORF) (Gesellschaft des öffentlichen Rechts) | |
Landesstudios | |
Studio Burgenland | |
Studio Kärnten | |
Studio Niederösterreich | |
Studio Oberösterreich | |
Studio Salzburg | |
Studio Steiermark | |
Studio Tirol | |
Studio Vorarlberg | |
Studio Wien | |
Schweiz | |
Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) (Gesellschaft des privaten Rechts) | |
Regionalgesellschaften | |
Radio- und Fernsehgesellschaft der deutschen und rätoromanischen Schweiz (RDRS) | |
Société de radiodiffusion et de télévision de la Suisse romande (SRTR) | |
Società cooperative per la radiotelevisione della Svizzera italiana (CORSI) |
Technik
Die Möglichkeit des Rundfunks beruht auf den Eigenschaften der elektromagnetischen Wellen, sich ohne große Energieverluste über weite Strecken durch den Raum fortzupflanzen und mit Niederfrequenz moduliert werden zu können (Modulation). Dabei wird die vom Sender abgestrahlte Hochfrequenz im Rhythmus der zu übertragenden Tonfrequenz oder Bildinformation geprägt. Im Empfänger wird dann die Tonfrequenz (Bildinformation) von der Hochfrequenz (Trägerfrequenz) abgenommen (Demodulation), verstärkt und einem Lautsprecher (Bildröhre) zugeführt.
Wellenbereiche
Dem Rundfunk sind in Europa verhältnismäßig kleine Wellenbereiche zugewiesen: Langwellen von 150 bis 285 Hz; Mittelwellen von 525 bis 1605 kHz; Kurzwellen von 3,95 bis 26,1 MHz; Ultrakurzwellen von 41 bis 68 MHz (Fernsehband I), von 87,5 bis 100 MHz, seit 1987 auch von 100 bis 108 MHz für Sender geringer technischer Reichweite (UKW-Hörfunk), von 174 bis 230 MHz (Fernsehband III), von 470 bis 790 MHz (Fernsehband IV und V). Die Bandbreite einer Aussendung beträgt im Lang-, Mittel- und Kurzwellenbereich 9 kHz. Im UKW-Rundfunkbereich beträgt die Bandbreite 300 kHz (Frequenzmodulation) und beim Fernsehen rund 5 MHz (Modulation).
Sender
Rundfunksender: Funktionsprinzip
Rundfunksender: Funktionsprinzip
Rundfunksender strahlen die von ihnen ausgehenden Wellen in alle Richtungen ab. Atmosphärische Wellen pflanzen sich geradlinig in die Atmosphäre fort, bis sie auf die als Reflektor wirkende Ionosphäre treffen, von der sie wieder zur Erde zurückreflektiert werden. Diese reflektierten Wellen ermöglichen somit Rundfunkempfang auch an Orten, die weiter als Sichtweite vom Sender entfernt liegen. Bei nochmaliger Reflexion der Radiowellen zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre können große Reichweiten erzielt werden (bis über 20 000 km). Die sogenannten Bodenwellen breiten sich dagegen parallel zum Erdboden aus. Sie können deshalb kaum an Orten empfangen werden, die außerhalb Sichtweite vom Sender liegen. Mikrowellen werden von der Ionosphäre nicht reflektiert. Sie strahlen vom Sender geradlinig in den Weltraum ab und dienen so dem Nachrichtenverkehr mit Satelliten oder via Satellit mit Empfangsstationen auf der Erde.
© wissenmedia
Der Hauptteil des heute verwendeten fremderregten Senders ist ein Oszillator, in dem hochfrequente Schwingungen (die eigentliche Sendefrequenz) erzeugt werden, mit mehreren Verstärkerstufen. Die Modulation der Hochfrequenz mit der aus dem Funkhaus (Studio) über Kabel gelieferten Tonfrequenz erfolgt in der Endstufe des Senders bei Amplitudenmodulation durch Mischung (Zusammenfügen) der beiden Spannungen. Die Frequenzmodulation, bei der die Frequenz der Trägerwelle im Takt der Tonfrequenz variiert wird, ist komplizierter, erfordert ein breiteres Wellenband und wird nur im UKW-Funk verwendet, bietet aber hinsichtlich Übertragungsgüte wesentliche Vorteile gegenüber der Amplitudenmodulation.
Empfänger
Antennen: Typen
Antennen: Typen
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Die Demodulation der Zwischenfrequenz erfolgt in einer Diodenschaltung, die verzerrungsarme Wiedergabe gewährleistet. Danach folgen ein Tonfrequenz(vor)verstärker und eine Leistungsstufe zum Betrieb des Lautsprechers.
Zur stereophonen Rundfunkübertragung nimmt man auf der Senderseite eine Darbietung mit zwei getrennten Mikrofonen auf und gibt sie auf der Empfängerseite über zwei getrennte Lautsprecher wieder. Das übertragene Frequenzspektrum besteht aus einem Hauptsignal, einem Stereo-Hilfssignal und einem 19-kHz-Signal, das Pilotton genannt wird. Der Hauptkanal enthält das Summensignal (L + R), das aus den Signalspannungen des linken Mikrofons L und des rechten Mikrofons R gebildet wird. Dieses Summensignal kann mit den UKW-Rundfunkgeräten herkömmlicher Bauart empfangen werden. Für Stereosendungen muss zusätzlich das Differenzsignal (L–R) übertragen werden.
Beim Empfang der stereophon aufgenommenen UKW-Sendung erhält man nach verschiedenen Verfahren einen Gesamtspannungsverlauf, dessen eine Hüllkurve das L-Signal darstellt und dessen andere Hüllkurve das R-Signal ist. Durch Gleichrichten mit einem Zweiweggleichrichter gewinnt man das linke Signal und das rechte Signal aus der unteren und oberen Hüllkurve. Die Signale werden in den beiden Kanälen des NF-Verstärkers getrennt verstärkt. Anschließend wird das linke Signal dem linken Lautsprecher und das rechte Signal dem rechten Lautsprecher zur stereophonen Wiedergabe zugeführt.
In den Regelbetrieb ging 1999 in Deutschland der digitale Rundfunk Digital Radio, kurz DAB (Abkürzung für englisch Digital Audio Broadcasting), der, über irdische Funkstationen verbreitet, Hörfunk in CD-Qualität bietet. Neben dem fehlerfreien Empfang, der durch Mehrwegeausbreitung erreicht wird, ist die geringere Frequenzbreite (ca. 7 MHz anstelle von zur Zeit 20 MHz für den UKW-Hörfunk), die für DAB benötigt wird, ein großer Vorteil des neuen Systems.
Außerdem können im Hintergrund Zusatzinformationen übertragen werden. Bereits seit 1988 werden von bundesdeutschen UKW-Stationen digitalisierte Radio-Datensystem (RDS)-Signale ausgestrahlt (RDS-Trägerfrequenz 57 kHz), die mit entsprechend ausgerüsteten Empfängern z. B. Informationen zur Programmidentifikation, zum Verkehrsfunk und zur automatischen Suche nach dem optimalen Sender für ein gewünschtes Programm liefern.
Publizistisches
Der Rundfunk in seinen Erscheinungsformen als Hörfunk und Fernsehen ist heute neben Zeitung und Zeitschrift das bedeutendste Medium. Die Bedeutung des Rundfunks liegt in der Möglichkeit, eine sehr große Zahl von Menschen gleichzeitig anzusprechen und bei geeigneter Mittelwahl zu beeinflussen. In Ländern mit nichtparlamentarischer Staatsordnung ist der Rundfunk meist als Staatsmedium organisiert; in parlamentarischen Demokratien haben sich gemischte Rundfunksysteme herausgebildet mit staatlichen und/oder öffentlichen und/oder privaten Hörfunk- und Fernseheinrichtungen. Der Betrieb von Sende- und Empfangsanlagen in Deutschland bedarf einer Lizenz.
Hörfunk
Als Nachrichtenmittel fand der Funk erstmalig durch seinen Einsatz für militärische Zwecke im 1. Weltkrieg Beachtung. Nach dem Krieg machten Funkamateure den Gedanken des drahtlosen Sendens und Empfangens populär. Am 29. 10. 1923 eröffnete die Radio-Stunde A. G. (später Funk-Stunde) in Berlin den öffentlichen Rundfunkprogrammdienst in Deutschland. 1925 wurden die regionalen Rundfunkgesellschaften in der Dachgesellschaft der Reichsrundfunkgesellschaft mbH zusammengeführt, 1932 praktisch verstaatlicht und nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. Nach Ende des 2. Weltkrieges gründeten die alliierten Militärregierungen in ihren Besatzungszonen eigene Rundfunkeinrichtungen, aus denen 1948/49 in den Ländern der Westzonen deutsche Rundfunkanstalten öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung hervorgingen.
Fernsehen
Die ARD-Anstalten verbreiten seit 1952 das Deutsche Fernsehen als bundesweites Gemeinschaftsprogramm und regional eigene Fernsehprogramme. 1963 wurde das bundesweite Programm des Zweiten Deutschen Fernsehens aufgrund eines Staatsvertrages der Bundesländer eröffnet. Als nichtdeutsche Rundfunkeinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland verbreiten deutschsprachige Programme der US-amerikanische RIAS und der französische Europa No. 1; fremdsprachige Programme senden das US-amerikanische Radio Free Europe sowie Rundfunkeinrichtungen der amerikanischen, britischen und französischen NATO-Streitkräfte.
Die traditionelle Rundfunkordnung hat sich in den 1980er Jahren stark verändert. Das öffentlich-rechtliche Veranstaltungsmonopol ist einem dualen Rundfunksystem gewichen. Seit 1984 werden private Fernsehprogramme in Deutschland verbreitet, zunächst im Rahmen von Kabelpilotprojekten, dann auch über Breitbandkabel, Satelliten und freie terrestrische Frequenzen. Die privaten Fernsehsender werden fast ausschließlich durch Werbeeinnahmen finanziert. Während den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Pflicht zur Grundversorgung auferlegt ist, wurde den privaten die Aufgabe der Zusatzversorgung zugewiesen.
Die Wiedervereinigung Deutschlands machte eine Neuordnung der Rundfunklandschaft notwendig. Nach einer Übergangsphase wurde die Programmversorgung in den neuen Bundesländern am 1. 1. 1992 von neu gebildeten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten übernommen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen übernahm der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehprogrammen. In Brandenburg konstituierte sich der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB). Mecklenburg-Vorpommern gehört zum Programmgebiet des NDR. Die Existenz des Deutschen Fernsehfunks (DFF), des Fernsehens der DDR, war damit beendet.
Nachdem sich 1998 der Südwestfunk und der Süddeutsche Rundfunk zum Südwestrundfunk und 2003 der Sender Freies Berlin und der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg zum Rundfunk Berlin-Brandenburg zusammengeschlossen haben, gehören zur ARD 9 Landesrundfunkanstalten, mit beratender Stimme RIAS Berlin und Deutschlandfunk (die beiden firmieren seit 1994 gemeinsam als Deutschlandradio) und die Deutsche Welle.

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