A War (2015)

“Krigen”, der dänische Oscar-Export und -Verlierer von 2015, könnte mit seiner Afghanistan-Thematik wohl kaum aktueller sein. Besonders in seiner ersten Handlungshälfte nimmt er sich daher viel Zeit für die Porträtierung der Widersprüche und Unmöglichkeiten, in welche die Soldaten durch ihre zugleich humanitäre und militärische Aufgabe verwickelt werden, und stellt diese dem interessanterweise mindestens ebenso stressig dargestellten Familienchaos des daheimgebliebenen Frauchens gegenüber. Diese charakterintensive Einführung ist zwar sinnig, um in der zweiten Hälfte dann das eigentlich interessante menschliche Drama zu entfachen, bietet aber letztlich wenig Neues und etwas zu viel aus den Minenfeldern von Kindererziehung und Terroristenbekämpfung.
Jene zweite Hälfte ist es dann aber auch, die einem den angemessenen Schlag in und durch die Magengrube versetzt, in der die Schauspieler zur Hochform auflaufen und interessante moralische Dilemmata aufgeworfen werden. Hier findet der Film seine eigentliche Form, ein erstaunlich realistisches Gerichts- und Familiendrama letztlich, das einen Zwiespalt zwischen familiärer und gesetzlicher Verantwortung thematisiert, die sich emotional auf den Zuschauer überträgt in einer Zerrissenheit zwischen moralischem Bewusstsein und echtem Mitgefühl. Kurzum: Am Ende fühlte ich mich ziemlich beschissen - hat also funktioniert.