Blackhat (2015)
Wer Michael Manns Flop mit Häme überziehen will, hat es nicht gerade schwer: Erzählerisch stolpert der Film von einem Klischee ins Nächste, die holzschnittartige Charakterisierung der Figuren und entsprechendes Schauspiel lassen statt auf Mann’sche Eleganz nur auf mittelmäßige Drehbuchautoren schließen, die auch Spannung nur bedingt aufbauen können, und die Dialoge bestehen weitestgehend aus Nonsens in Nullen und Einsen. Man gewinnt bisweilen den Eindruck, der Cyberthriller sei ein Genre, dessen Ikonographie sich trotz seiner vermeintlichen Aktualität in den 90er- und frühen 2000er-Jahren bereits erschöpft habe. Daher könnte “Blackhat” heute leicht an B-Movies aus der Grabbelkiste erinnern, wären da nicht Manns unverkennbar virtuose Kameraführung, sein Gespür für Licht und die eigenwillige Schönheit des digitalen Bildes.
Was Manns Versuch, sein Kino der einsamen Großstadtcowboys ins 21. Jahrhundert zu transportieren, darüber hinaus dennoch sehenswert macht, ist die kontraintuitive Betonung der Materialität seines virtuellen Thrillers. Zurecht kann man einwenden, dass ihm eine adäquate Darstellung der eigentlichen Unsichtbarkeit des Wesentlichen, der Daten und der totalen Vernetzung, misslingt, wenn er hierfür nur lange Sequenzen von Lichtchen findet, die auf Mikroebene an Leitungen entlangflirren. Er ist aber ebenso interessiert an Bildschirmen und Codes wie am Einstecken von USB-Sticks, an Speichern, die erstmal entwendet und transportiert werden müssen, und dem Tippen auf Tastaturen. Entsprechend physisch müssen auch die Actionszenen, brutal die Einwirkung von Kugeln auf Körper sein. Die Schüsse donnern immer noch so unverwechselbar raumerfüllend wie in “Heat” und selbst vor Sex wird nicht zurückgeschreckt. Diese Tendenz spitzt sich in der zweiten Hälfte des Films zu, in der sich Hemsworth in die Riege der auf sich gestellten Helden Manns einreiht und seine über den Rest des Films gesichtslosen Gegner mit überlegener Physis und hausgemachten Gadgets überwältigt. Mann kann das Digitale scheinbar nur verkörpert denken. Darin ist sein Actionkino anachronistisch, reibt sich mit seinem körperlosen Gegenstand, bereichert diesen aber ebenso um eine Perspektive, die letztlich auch eine tief romantische ist: Die Wiederentdeckung des Physischen im Film geht mit dem Befreiungsversuch seines Liebespaars einher.