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Sounds perfect Wahhhh, I don’t wanna

Raw (2016)

Irgendwo im blutigen Fahrwasser von Cronenberg und der New French Extremity treibt “Raw”, Julia Ducournaus stilsicheres Regiedebüt. Die Idee, sich mit den Mitteln des Horrorfilms symbolisch mit sexuellem Erwachen auseinanderzusetzen (und dass das hier geschieht, daraus macht der Film keinen Hehl), mag nicht gänzlich neu sein, dennoch wirkt “Raw” keineswegs vergammelt, sondern erzählt wunderbar frisch und unterhaltsam von Weiblichkeit, Adoleszenz und Promiskuität. Fernab von elterlicher Geborgenheit sieht sich die Protagonistin erstmals unmittelbar mit der eigenen Sexualität, aber auch und vor allem dem Urteil der anderen darüber konfrontiert. Body-Horror und Kannibalismus sind hier übersteigerte Ausdrucksformen von Empfindungen, die (zunächst) weder kontrollierbar, noch für einen selbst nachvollziehbar sind und erfordern, einen Ausgleich zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz und körperlicher Befriedigung zu finden. Zwischen ekstatischen Party-Szenen, Spritzern grimmigen Humors, Blut und Gedärm gelingt es Ducournau zudem, eine tragische, überraschend feinfühlige Geschichte über das Band zweier Schwestern zu erzählen, das sich gerade aufgrund des geteilten Gefühls des Ausgestoßenseins entspinnt.

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Manchester by the Sea (2016)

“Manchester by the Sea” könnte so langweilig sein, umschifft aber mit erstaunlicher Gelassenheit das weite Meer der gefährlichen Melodramen-Klischees. Statt mit schwarz und weiß wird nur mit grau in grau gemalt, große, inszenierte Gefühlsausbrüche fehlen ebenso wie utopische Konfliktlösungen. Auch in tiefster Traurigkeit erlaubt er seinen Figuren Humor, ohne dem Zuschauer vorzugaukeln, dass je alle ihre Wunden heilen würden, es gibt weder menschliche Monster noch Helden. In dieses erzählerische Understatement fügen sich wie natürlich großartige, nicht minder unaufgeregte, aber deswegen keineswegs unspektakuläre Schauspielerleistungen ein, die jenen Eindruck unterstreichen, den Kenneth Lonergans ungewöhnlich erzähltes Drama einem hauptsächlich vermittelt: Eine erstaunliche Lebensnähe.

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Personal Shopper (2016)

Ein Film wie ein Geist, irgendwie unbestimmt, nicht greifbar, aber doch faszinierend. Olivier Assayas gelingt ein scheinbar unzugängliches Plot- und Genredurcheinander, das von Kristen Stewarts wunderbar verletzlicher Darstellung gerade so noch zusammengehalten wird. Ist sie eben noch geisterhafte Assistentin eines fiesen Models, geht sie im nächsten Moment trauernd selbst auf Geisterjagd nach ihrem verstorbenen Bruder, während sie wiederum von einem Stalker per Smartphone verfolgt wird. Das alles hat eine zärtliche Intimität, eine gefühlte maximale Nähe zu ihrer Figur, ohne, dass ich sie wirklich hätte verstehen können. Faszinierend aufgrund vieler origineller und gelungener Ideen und motivischer Überschneidungen, frustrierend, weil es sich nicht recht zusammenfügen will. Frage ohne Antwort, Rätsel ohne Lösung - ein Film in der Schwebe, der einen aber auch nicht wirklich loslässt. Wie so ein Geist.

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La La Land (2016)

Wenn man Damien Chazelle denn etwas schwerwiegendes vorwerfen wollen würde, dann, dass sein neuer Film so furchtbar gefällig ist, man müsste aber dabei verschweigen, wie erfolgreich er bei einem selbst mit seiner Liebenswürdigkeit war. Wie bereits oft genug gesagt, sind Gosling und Stone weder überragende Tänzer noch Sänger, aber, da sie zu den besten ihrer Generation gehören, ausreichend gute Schauspieler, dass man sie trotzdem diese von Chazelle mit nahezu angeberischem Stilwillen inszenierten hübschen Lieder tanzen und singen erleben möchte.
Was “La La Land” jedoch von der nostalgischen, aber leeren Fingerübung zum verdienten Erfolg macht, ist der reflexive Umgang mit der eigenen Form und dem omnipräsenten Imperativ des “Träumens”. Er lässt fein dosiert die Realität in seinen Retrorummel einbrechen und verschweigt nicht, dass trotz aller Ambitionen und Anstrengung ein jedes Leben Entscheidungen birgt, die Verluste unvermeidbar machen. So wie der Jazz zwischen Tradition und Revolution, so steht auch “La La Land” am grandiosen Ende zwischen Bejahung und melancholischem Rückblick auf eine Welt unbeschwerten Träumens und Liebens. 

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Die Taschendiebin (2016)

Zweieinhalb Stunden erotischer Thriller im Korea der 30er Jahre von einem Regisseur, der unter leisen Zwischentönen ein ganzes Blasorchester versteht? Wer von Chan-wook Parks neuestem Streich jetzt noch nicht begeistert ist, wird es auch nicht mehr, alle anderen bekommen hier erstaunlich kurzweilige Unterhaltung par excellence geboten. Mit der bei Park zu erwartenden technischen Meisterhaftigkeit in allen Kategorien (inklusive großartigem Soundtrack) stülpt “Die Taschendiebin” mit offensichtlichen Spaß Twist auf Twist und tänzelt ohne Kompromisse irgendwo zwischen Pulp und Pseudo-Kunst, immer an der feinen Linie zur irgendwie auch Park-typischen Albernheit. Mögliche (emanzipatorische) Subtexte kommen dabei vielleicht so subtil wie eine Dampfwalze daher, aber wer könnte es einem Regisseur mit einer solchen Lust an Extremen schon übelnehmen?

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Star Wars: Rogue One (2016)

Disney macht jetzt also Star Wars zur marvelesquen Geldmaschine und setzt uns das erste Spin-Off unserer aller Lieblings-Weltraumoper vor. Ungeachtet des Umstandes, dass das vielleicht nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, bleibt also die Frage, ob es sich denn wenigstens aus sich heraus rechtfertigen kann. Gareth Edwards zumindest ist sichtlich darum bemüht und versucht, den Kampf zwischen Hell und Dunkel um die Grauzonen des intergalaktischen, “realistischen” Kriegsfilmes zu bereichern. Schade nur, dass es bei der Darstellung der Rebellen und des Imperiums meist bei Andeutungen bleibt, wo doch hier vermutlich das größte Potential gesteckt hätte, das sich in fast schon frustrierender Weise aufdrängt. Der Fokus wird dagegen auf eine umfangreiche Heldentruppe gelegt, die - leider- öder ist als die Eiswüste von Hoth, und zudem in einem sehr schwer verdaulichen Expositions-Klumpen serviert wird. Ein Abenteuer mit Helden, die mich kaum kümmern, hat ein massives Problem, da kann es noch so tragisch sein. Der letzte Akt des Filmes wiederum ist so fulminant und unterhaltsam, dass er fast über die restlichen Schwächen hinwegtäuschen und diesen Eintrag trotz Unzulänglichkeiten als seiner Saga würdig erscheinen lassen könnte.

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Arrival (2016)

Reingehen, vorher nichts darüber wissen. Sich freuen über einen fordernden Blockbuster, der sich mit einem originellen Thema, Sprache, tiefgehend auseinandersetzt, ihre Bedeutung für Denken und Kultur, ihre Philosophie sowie grundsätzlichen Funktionsweisen und Möglichkeiten emotional und intellektuell nachvollziehbar macht, um später dann noch weit darüber hinauszugehen, komplexe Ideen filmisch anschaulich präsentiert und, weil das ja noch nicht reicht, einige der einprägsamsten Kinomomente des letzten Jahres beinhaltet. Während des Abspanns mit offenem Mund dasitzen, sich auf dem Heimweg toddiskutieren. Reingehen, und vorher sonst nichts darüber wissen.

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Café Society (2016)

Also die Bilder zumindest waren wirklich prächtig anzusehen. Der Rest ist eher so “Woody im Routine-Modus”, alles sehr ordentlich gespielt, meistens nett und halbwegs clever geschrieben und beschwingtes Nostalgie-Flair mit hübscher Musik, dazu ein ambitionierter Zeitsprung. Leider hat man das meiste davon in anderen Allenschen Werken bereits wesentlich interessanter aufbereitet gesehen, die sich andeutende Hollywood-Satire bleibt recht oberflächlich und möglichen Emotionen wird meist nicht genug Raum gegeben, um sich zu entfalten, es wird viel ernst geredet, aber wenig scheint echtes Gewicht zu haben. Ein Film, der durchaus anderthalb wunderbar vergnügliche Stunden bieten kann, danach aber einfach verpufft.

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Paterson (2016)

Im Prinzip geht es im besten Sinne um wunderhübsche Alltäglichkeiten. Um einen Busfahrer, sein kleines Leben in einer kleinen Stadt voller drolliger Gestalten. Und der Busfahrer, Paterson aus Paterson, dichtet auch über wunderhübsche Alltäglichkeiten. Eine Frau hat er, die beiden sind ein glückliches Paar, und einen witzigen Hund. Jim Jarmusch muss niemandem mehr etwas beweisen, und deswegen kann er das alles in seiner ganzen heiteren Melancholie dahinfließen lassen und den Zuschauer dabei so einlullen, dass man gut und gerne noch zwei Stunden weitergucken könnte. Erst gegen Ende merkt man, wie sehr einen all die schönen Details doch mitgenommen haben, die er aus dem Mondänen herauspoetisiert.

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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

Frau Rowling kann ihr Franchise nicht ruhen lassen, der Hypetrain fährt ihr munter hinterher. Man muss dem neuesten Eintrag des Potter-Universums drum zu Gute halten, dass ihm ihre Liebe zum eigenen Universum anzumerken ist. Leider leidet er aber nicht nur unter seiner eigenen Unnötigkeit und der obligatorischen Franchise-Marvellisiering (Quadrilogie soll folgen), sondern auch tonaler Unausgeglichenheit aus kindlichem Witz und Düsternis, unscharf ausgefertigten Charakteren und unnützen Subplots. Trotz dieser Mängel rehabilitiert sich das Werk ein Stück weit über vereinzelte Szenen, die dann eben doch mit interessanten Charaktermomenten und Einfällen aufwarten. Rowlings Drehbuch ist unausgegoren, ihre Ideen nach wie vor schon phast fantastisch.

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