Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 2 (2015)
Steht auf und streckt drei respektvolle Finger in die Höhe, denn die Königin der Jugendbuchadaptionen dankt ab. Deswegen will ich auch nicht die Chance nutzen, all die kleinen und mittelgroßen Mängel anzuführen, die dieser Teil, wie schon seine Vorgänger, für sich hatte, sondern lieber noch einmal die großartige Reihe als solches loben. Ein Franchise, das sich getraut hat, trotz jungen Zielpublikums unverhohlen politisch zu sein und an seinen Themen wuchs, das Mediensatire, Revolutionsmeditation und (jetzt) Kriegsparabel war. Das mich dabei jedes Mal mit seinen Actionszenen, der Welt und seiner Unbarmherzigkeit in den Kinosessel drückte. Das sich ständig weigerte, einfache und sentimentale Antworten auf große politische Fragen zu geben, was zwar oft auf Kosten einer konsistenten Botschaft, aber zu Gunsten einer dem Thema angemessenen Komplexität geschah.
Und so fragte ich mich auch dieses Mal leider wieder, was die Kids heute eigentlich lernen sollten? Ist Krieg gegen Tyrannei gerechtfertigt, immer böse, oder letztlich nutzlos? Der Film schien sich nicht entscheiden zu können, das muss bemängelt werden. Erst in den letzten Atemzügen findet Panem dann, wenn auch sehr gekünstelt, seine zutiefst zynische Essenz: Dass sich diese Frage, in diesem Universum, gar nicht stellt. Sondern dass den “Helden” stets nur der Versuch bleibt, das zu tun, was sie für notwendig halten, um sich bestmöglich durchzuschlagen.
Panem weiß jene Heroisierungen zu verneinen, die seine Nachahmer nicht selten falsch machen, und nimmt sein Publikum ernst, statt bei der Hand. Egal, ob die Filme allein eher leiden: Letztlich großes Kino.