Ghost in the Shell 2 - Innocence (2004)
Für das Upgrade seines Meisterwerks kreiert Mamoru Oshii eine überbordende Bilderflut, deren Mischung aus computergenerierter und handgezeichneter Animation nicht immer funktioniert, in ihren besten Momenten jedoch zum Schönsten im Medium Anime gehört. Dabei wird nicht nur das visuelle Erlebnis aufwändiger, auch das philosophische Fragen ergießt sich in alle Richtungen. War der erste Teil eine ruhige Meditation über die Essenz des Menschen, lässt der Nachfolger noch stärker die Grenzen zwischen Wahrheit und Einbildung von Menschlichkeit verschwimmen und stellt die Verfasstheit von Realität überhaupt in Frage. Das macht ihn interpretationsoffener, aber auch unfokussierter und unzugänglicher. (Dafür kann man dem Kriminalplot dieses mal sogar folgen, wenn man ganz doll aufpasst.)
Der Mensch, der sich durch die technologische Entwicklung selbst zu übersteigen versucht, steht plötzlich vor einem Nichts an Ungewissheit ehemals sicher geglaubter Wahrheiten und vereinsamt letztlich in seiner Desorientierung - so lautet vielleicht die bittere Bilanz des Films. Ob da ein Ghost in der Shell ist, können wir nicht wissen, klar ist bloß, dass wir ein “Nein” nicht ertragen würden.