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Ghost in the Shell 2 - Innocence (2004)

Für das Upgrade seines Meisterwerks kreiert Mamoru Oshii eine überbordende Bilderflut, deren Mischung aus computergenerierter und handgezeichneter Animation nicht immer funktioniert, in ihren besten Momenten jedoch zum Schönsten im Medium Anime gehört. Dabei wird nicht nur das visuelle Erlebnis aufwändiger, auch das philosophische Fragen ergießt sich in alle Richtungen. War der erste Teil eine ruhige Meditation über die Essenz des Menschen, lässt der Nachfolger noch stärker die Grenzen zwischen Wahrheit und Einbildung von Menschlichkeit verschwimmen und stellt die Verfasstheit von Realität überhaupt in Frage. Das macht ihn interpretationsoffener, aber auch unfokussierter und unzugänglicher. (Dafür kann man dem Kriminalplot dieses mal sogar folgen, wenn man ganz doll aufpasst.)
Der Mensch, der sich durch die technologische Entwicklung selbst zu übersteigen versucht, steht plötzlich vor einem Nichts an Ungewissheit ehemals sicher geglaubter Wahrheiten und vereinsamt letztlich in seiner Desorientierung - so lautet vielleicht die bittere Bilanz des Films. Ob da ein Ghost in der Shell ist, können wir nicht wissen, klar ist bloß, dass wir ein “Nein” nicht ertragen würden.

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Ghost in the Shell (2017)

Da ist sie also, die Realverfilmung, von der alle in zehn Jahren sagen werden “Oh stimmt, den gab´s ja auch noch…”, wenn sie über das “Ghost in the Shell”-Franchise reden.
Ich werde mich an dieser Stelle nicht darüber auslassen, wie der philosophische Gehalt erwartungsgemäß über Bord geworfen wird und durch hollywoodsche Sentimentalität und Kalendersprüche ersetzt wird. Oder wie von ikonischen, atmosphärischen Bildern nur noch ihr Wiedererkennungswert im grauglänzenden Einheitsbrei übrig bleibt. Oder wie thematische Komplexität einem erklärungswütigen Plot weichen muss und jeglicher Ambivalenz beraubt wird, oder wie ein Antagonist komplett fehlinterpretiert wird, oder wie ein großartiger Soundtrack zu Synthi-Gewummer wird und wie es eigentlich sein kann, dass ein Film, der eine Geschichte viel gefühlsbetonter neu adaptiert, so viel kälter als sein am Ende doch zutiefst humanes Original erscheinen kann.
Denn es war klar, dass dies kein Film für Fans des Originals sein würde, und das muss er auch gar nicht sein. Was bleibt? Anschaubare Durchschnittlichkeit mit hübschen Effekten, aber auch nicht mit derart beeindruckenden Schauwerten, dass sie den Film über sein Mittelmaß hinausheben würden. Kann man dann mal gucken, wenn er irgendwann kostenlos auf Netflix verfügbar ist und man gerade nichts besseres zu tun weiß, was wahrscheinlich mehr über die Digitalisierung des Alltags aussagt, als dieser Film es kann. “Ghost in the Shell” ist hier nur noch Shell, kaum Ghost.

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Ghost in the Shell (1995)

Der originale “Ghost in the Shell” ist ein Musterbeispiel des Nachdenkens darüber, wo Identität liegt und was den Menschen zum Menschen macht. Auch wenn (gerade in der deutschen Fassung) die intellektuellen Ergüsse zum Teil etwas plötzlich und plump aus den Figuren sprudeln, ist das Werk ein herausragendes Beispiel philosophischen Fragens im Film, das sein Medium entsprechend zu nutzen weiß. Mamoru Oshiis meisterhafte Ausführung und die künstlerische Gestaltung sind es nämlich erst, die diese Gedanken in einer Atmosphäre aufgehen lassen, die ebenso meditativ wie bedeutungsschwanger ist.
“Ghost in the Shell” sucht das menschliche Wesen, indem er im technologischen Gedankenexperiment alles auflöst, was man für gewöhnlich damit verwechseln könnte, und stellt, statt falsche Antworten zu geben, die richtigen Fragen: Wo das Bewusstsein aufhört oder anfängt, wenn seine äußerlichen Merkmale nahezu perfekt virtuell replizierbar sind, und welche Bedeutung der Körper noch haben kann in einer entkörperlichten, digitalen Welt - Fragen, die in über 20 Jahren nichts an Faszination eingebüßt haben. Der Film verzweifelt mit seiner Hauptfigur an der Zerbrechlichkeit menschlicher Existenz vor der Unauffindbarkeit ihrer Essenz - oder nicht? Die Ambivalenz seines Endes wird dem Niveau seines Fragens gerecht.

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The Case of Hana & Alice (2015)

Nippon Connection #3

Zum Ende verließen wir die Gefilde der Meta-Satire und entspannten uns bei einem niedlichen Anime über die erblühende Freundschaft zweier Mädchen.
Von sentimentaler Musik unterlegt wird hier von Alltäglichkeiten und Abenteuern zweier Außenseiterinnen erzählt, die endlich mal nicht hoffnungslose Nerds sind, sondern realistische, klar umrissene Charaktere, deren Eigenheiten nie zum Selbstzweck verkommen und zu mehr dienen als der zur Schau gestellten Seltsamkeit. Ansonsten bemüht man sich mit reichlich Kindheits-Nostalgie, Leichtigkeit und impressionistisch kolorierten Hintergründen stark um Poesie, und ist trotz einfacher Mittel erstaunlich oft erfolgreich darin.
Nichts neues von der Coming-of-Age-Front, aber echt schön und charmant.

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Wie der Wind sich hebt (2013)

Habe nun auch Hayao Miyazakis angeblich letztes Werk nachgeholt, dem zunächst eine Verneigung allein dafür gebührt, die westliche Welt mit seinen zugänglichen und opulenten Filmen gehörig animerisiert zu haben. Da will man seinen Abschluss doch gleich viel gnädiger betrachten.
Dieser strotzt nämlich nach langer Zeit in Miyazakis Schaffen mal nicht vor aufwendig ausgestalteten Fantasy-Figuren, sondern ist tatsächlich sehr storyfokussiert und, man höre und staune, eher an Erwachsene gerichtet. Erzählt wird die Geschichte eines mindestens hierzulande vollkommen unbekannten Flugzeugbauers bisweilen etwas unfokussiert und die Liebesgeschichte, die den Film letztendlich antreibt, beginnt viel zu spät, wodurch die Zeit davor irgendwie behäbig daherdümpelt. Dann jedoch wird es nochmal wirklich traumhaft und Miyazakis Schaffen in diesem sonst nicht ganz runden Film würdig.
Ansonsten dominieren merklich seine Charaktere, seine Bilder, seine hübschen Traumsequenzen. Und sich in seinem Alter noch mal in die Kontroverse um die Heroisierung eines Helfers im 2. Weltkrieg zu stürzen, das allein verdient Respekt. “Wie der Wind sich hebt” ist keines von Miyazakis besten Werken, aber merklich gereift und liebevoll.

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Ame & Yuki: Die Wolfskinder (2012)

Heute mal ein selbst für Anime-Verhältnisse eher unbekanntes Märchen. Müsste man es mit einem Wort umschreiben, wäre dieses wohl ein schlichtes “schön”, alternativ auch “romantisch”. Die Animationen sind wie zu erwarten auf hohem Niveau und kreieren immer wieder Aufnahmen, deren überdrüssige Schönheit in den kurzen Momenten, die sie den Bildschirm erhellt, kaum greifbar scheint. Dazu passt gut die melancholische Stimmung und eher reduzierte Handlung über Erwachsenwerden, Loslassen und die eigene Identität, erzählt aus der Sicht einer liebenden Mutter.
Bloß vereinzelt schleichen sich da arg schmalzige, auch prätentiöse Missklänge ein, und es entsteht ein tatsächlich ergreifendes Erlebnis. Wirklich herausragend ist jedoch erst der grandiose Soundtrack, der Montagen kreiert, die keiner Sprache mehr bedürfen, der mehr als alles andere “wunderschön” ist.

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