Es ist kein Geheimnis, dass die Phase 2 des gigantomanischen Marvel Cinematic Universe keine künstlerische Goldgrube war, “Iron Man 3″ und Co waren leider nie mehr als pflichtbewusstes Füllwerk, das die Hoffnungen auf das Genie Joss Whedons und sein Finale erhöhte. Der machte schon die ersten Avengers zu einem nahezu perfekt ausbalancierten Massenprodukt und ist sichtlich bemüht (und oft erfolgreich darin) dessen Qualitäten auf diesen Nachfolger zu übertragen, der sichtlich unter den großen Erwartungen leidet: Der Unmenge an Hauptcharakteren werden gleichmäßig Konflikte und Entwicklungen zugestanden, wobei hier aufgrund der vielen Neuzugänge dieses Kunststück wesentlich schwieriger gerät. Besonders Hawkeye wird eine wunderbar augenzwinkernde Rolle zugesprochen, Bruce Banner und Black Widow werden ebenfalls in ein faszinierendes Licht gerückt. Der Bösewicht Ultron bewegt sich tatsächlich auf Loki-Level, interessant und humoristisch bravourös eingesetzt, die Action ist mal so lala, mal fantastisch, aber mit genug denkwürdigen Höhepunkten. Nur im Mittelteil scheint das überambitionierte Projekt fast unter der Menge an Plotsträngen zusammenzubrechen, und auch mit der Einführung Visions hat man sich keinen Gefallen getan, jener ist nämlich vollkommen entbehrlich.
Nichtsdestotrotz hat Joss Whedon es erneut (und scheinbar zum letzten Mal) vermocht, Nerds und Masse hinter sich zu vereinigen und ihnen ein Spektakel zu bieten, von dem ich, was immer ein gutes Zeichen ist, nicht wollte, dass es endet: Witziger, düsterer, tiefer, aber auch wesentlich fehleranfälliger als sein Vorgänger.