Auslöschung (2018)
Ob diese Expedition nun in Paradies oder Hölle vorstößt, ist vielleicht gar nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, denn um “Auslöschung” handelt es sich hier eigentlich nur aus einer intuitiven (womöglich aber gerechtfertigten) menschlichen Perspektive. Wie Natalie Portman in diesem Film lernen wird, muss man den Schimmer jedoch neutraler denken, als DNA-brechendes Prisma ist er vor allem erst einmal Veränderung, nicht nur Zerstörung der natürlichen Gegebenheiten, sondern deren Transformation, Mutation, und damit auch: Evolution. Für die einen eine biologische Horrorshow, für viele der gebrochenen Existenzen, die es in diese Zone führt, aber auch ein Weg, dem eigenen Trauma durch Eingehen in einen Prozess des stetigen Werdens zu entkommen. Und andererseits in seiner Umsetzung von Unsterblichkeit durch permanente Mutation die ironische Einlösung von Portmans Wunsch, die Sterblichkeit mittels Wissenschaft zu überwinden. Ironisch, weil der Schimmer auch nichts anderes als ein globaler Krebsprozess ist, jene Krankheit, die Portman erforscht. Sie wäre also prädestiniert dafür, ihn zu verstehen.
Aber sie versteht nicht. Auf sämtliche Fragen danach kann sie nur mit einem ausdruckslosen “I don´t know.” antworten und stellt sie somit zurück an den Zuschauer, dem es überlassen ist, zu verstehen und sich zu positionieren, wo die Wissenschaft an die Grenzen des Fassbaren stößt. Diese Undeutlichkeit, die alles andere als Beliebigkeit ist, war bereits eine Stärke von Garlands “Ex Machina” und fordert die Diskussion. Anders als sein Vorgänger funktioniert “Auslöschung” jedoch weniger über ausgefeilte Dialoge, als über die Einbindung zusätzlicher Genreformen, insbesondere des Horrorfilms. In seinen stärksten Momenten verleiht der Film seinem Diskurs so körperliche Gestalt, eine affektive Qualität, indem er seine Fragen wortwörtlich am Körper seiner Charaktere und seiner Welt verhandelt. Die augenscheinlichen Tarkovski-Anleihen werden so in ein anderes Licht gerückt, denn während die Reisen ins Unbekannte in “Solaris” und “Stalker” vor allem Erkundungen menschlicher Seelenwelten waren, verhandelt Garlands Film die Grenzen des Menschlichen primär auf einer körperlichen Ebene. In der Zerstörung körperlicher Gewissheiten imaginiert er die Überschreitung dieser Grenzen, wortwörtlich, denn vor allem die Trennung des eigenen Körpers von der Außenwelt wird in Frage gestellt, damit aber auch dessen identitätsbildende Funktion. Andererseits scheint dieser Einsatz von Genrekonventionen auch zu einer oberflächlichen Figurenzeichnung zu führen, die nicht allzu schlimm wäre, den Zugang (affektiv wie emotional) zum Film jedoch erschwert. Das ist schade, muss aber nicht heißen, dass Garland hier nicht erneut starkes, anregendes Sci-Fi-Kino gelänge, auch (und leider) außerhalb der Kinosäle.