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Der Nachtmahr (2015)

Deutscher Horrorfilm. Ja, richtig gelesen, das gibt es jetzt, sogar im Kino. Und, viel wichtiger, auch noch in richtig gut.
Mehr tragisch-zynisches Teenie-Psycho-Portrait als Grusel schaffend, zeigt Regisseur AKIZ an seinem Herzensprojekt auf, dass deutscher Film eine visuell kreative und adäquate Ausarbeitung nicht ausschließen muss, selbst oder vielleicht sogar gerade dann, wenn man ihn abseits der üblichen Filmförderung mit Mikrobudget realisiert. Dennoch kein Oberflächenfilm, im Fokus steht klar die metaphorische Vielschichtigkeit des schrumpeligen Monsters, welches die toll gespielte Protagonistin heimsucht, und mindestens ihre dunklere Seite, Pubertät und Erwachsenwerden sowie gewiss eine psychische Disposition symbolisieren kann. Horror geht dabei jedoch kaum vom Unbekannten aus, sondern von der Verständnislosigkeit des Umfelds der verzweifelten Adoleszenten für ihr neues Anderssein. “Der Nachtmahr” macht Spaß, regt zur Analyse an und ist selbst eine wunderbare Anomalie in der deutschen Kinolandschaft. Mehr davon.

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Der Mann mit der Kamera (1929)

Dziga Vertov wollte nicht gerade wenig. Er wollte mit seiner Kamera, mit seinem “Kino-Auge”, rein in das Leben und nichts als das Leben selbst zeigen. Der Mann hatte die unerschütterliche Überzeugung, mit den Möglichkeiten des Kinos eine neue Wahrnehmung der Welt zu erschaffen (und übrigens auch einen neuen, elektrischen Menschen). Alle vorherige Kinematographie galt es zu überwinden, und den Film ausschließlich auf dem Fundament seiner eigenen Methoden aufzubauen.
“Der Mann mit der Kamera” ist die einzigartige filmische Dokumentation dieser theoretischen Ideen. Eine Vision von Kino, die uns bis heute zeigen kann, wie das Potenzial des Films beschaffen ist, weil Vertov aus dem Vollen der technischen Möglichkeiten schöpft - um uns dann daran zu erinnern, dass und wie diese Transformation von Leben ausschließlich jener Kunstform möglich ist. Die filmgewordene, steile These, dass die Montage und die befreite Kamera in der chaotischen Wirklichkeit “Wahrheit” finden können - woran es auch jetzt noch erinnert zu werden lohnt.

“Auf den Flügeln der Hypothesen stürmen unsere durch Propeller angetriebenen Augen in die Zukunft.” - Dziga Vertov

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The Revenant - Der Rückkehrer (2015)

Blut und Schmiere sind angesagt im heißesten Oscar-Anwärter des Jahres. Leonardo DiCaprio kriecht durch Dreck, Schnee und Pferdegedärm, und um ihn herum zeigt Alejandro Gonzàles Iñàrritu mal wieder, dass er zu den momentan wohl ambitioniertesten und talentiertesten Filmemachern Hollywoods gehört. Die Bilder, die er hier auf die Leinwand brennt, sind ausgefeilteste Überwältigungskunst und der allgemeine Aufwand, den der Mann betreibt, muss einem einfach ein Staunen abringen.
Schade drum, dass der Inhalt da nicht immer mithält. Würzige Kürze wäre, so toll es ist, DiCaprio beim Buddeln nach dem Oscar zuzusehen, im Mittelteil wünschenswert gewesen. Iñàrritu inszeniert brillant einen brutalen, spirituell aufgeladenen “Mensch-gegen-Gott-gegen-Natur-gegen-Mensch”-Fiebertraum, doch ob er etwas damit sagen will, bleibt unklar. Vielleicht hätte er auch die etwas willkürlich platzierten Traumsequenzen weglassen und auf die Rohheit des Materials vertrauen sollen. Trotzdem nicht unbeeindruckend.

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Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015)

Was noch über diesen Film schreiben, das nicht schon tausendmal gesagt und bis in die Bedeutungslosigkeit diskutiert wurde.
Er ist toll! Ja, er ist super, die Schauspieler sind toll, Harrison Ford ist toll, Daisy Ridley hat eine Portion Extra-Toll, die Bilder sind toll, die Musik ist toll, die Action ist toll, die Story ist… Episode IV, aber die war ja immerhin auch toll, die Charaktere sind toll, der Humor ist toll, die Nostalgie ist toll, das Erschließen neuer Universen ist toll. Ist es perfekt? Absolut nicht! Gibt es Kleinigkeiten, die ich gerne anders gehabt hätte? Definitiv, wie jeder andere auch. Ist das egal? Relativ.
Denn der Film war toll. Und jeder wird ihn sehen und seine detaillierte Meinung dazu haben, für die es keine anderen braucht, weil wir uns alle freuen, wie toll es ist, “Star Wars” zurückzuhaben.

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Der Heilige Berg (1973)

Prätentiös. Vulgär. Abgehoben. Kühl. Das alles sind Beschuldigungen, die man Alejandro Jodorowskys surrealem Meisterwerk vollkommen zurecht anheften darf. Der Zuschauer, der hier nicht Kulturwissenschaften aller Völker dieser Erde studiert hat, ist überhaupt nicht in der Lage, den Großteil der Symbolismen zu dechiffrieren, mit denen Regisseur, Komponist und Hauptdarsteller in Personalunion hier um sich werfen. Und insofern ist dieser Film auch ein bisschen unfair. Aber all das lässt außer Acht, dass unzählige Sequenzen (besonders in der ersten Hälfte) in sich inszenatorische, atemberaubend ausgestattete, bildkompositorische kleine Meisterwerke sind - und dabei noch hoch unterhaltsam. Manchmal ist es egal, ob man jedes Detail versteht, solange jede Szene in der Lage ist, ihren spezifischen Gehalt zu vermitteln. Und genau dieses Kunststück gelingt Jodorowsky hier, und noch dazu fast gänzlich ohne Sprache. Mag sein, dass manche Idee nur wegen der eigenen Seltsamkeit im Film gelandet ist und vor allem in Kombination mit dem Ende zum Selbstzweck verkommt, aber man wird erkennen, dass hinter jedem Unsinn doch eine geradlinige, auch ohne Bild-für-Bild-Analyse verständliche Geschichte über das Leben und eine schön altmodische Charakterreise versteckt sind, die außergewöhnlich ausdrucksstark bebildert werden.

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Adaption: Der Orchideen-Dieb (2002)

Für die ersten zwei Drittel ist der Film genau so brillant, wie vermutet: Charlie Kaufmann, der Mann für die besten Ideen Hollywoods, schreibt einen Film über Meryl Streep, die ein Buch schreibt, über Chris Cooper, der dann wieder in dem Film mitspielen will. Charlie Kaufmann schafft es aber nicht, Meryl Streep gerecht zu werden, und deswegen macht Charlie Kaufmann einen Film darüber, wie er es nicht schafft, einen Film zu schreiben, über Meryl Streep, die ein Buch schreibt. “Adaption.” ist genau dieser Film, und zwar geschrieben von dem echten Charlie Kaufmann, der wirklich daran scheiterte, diese Vorlage zu adaptieren. Wem das noch nicht Meta genug ist, der kann dem weinerlich-prätentiösen Charlie, kongenial gespielt von Nicolas Cage, dabei zusehen, wie er allerlei Weisheiten über das Drehbuchschreiben zum besten gibt, die dann wieder in diesem Film, der ein Drehbuch von Charlie Kaufmann ist, selbst vorgeführt, parodiert und konterkariert werden. Das alles ist so grandios, lehrreich, ideenreich und witzig, wie man glaubt. Für die ersten zwei Drittel eben. Dann nämlich gleitet der Film in die hollywoodesquen Gefilde ab, die sein Protagonist und Autor so verachtet. Natürlich ganz bewusst und total ironisch, aber es sind eben immer noch unschöne Strukturen, mit einer gegen Ende draufgeklatschten Moral, die so gar nicht zum sonstigen hohen Anspruch passen will. Ein enttäuschendes ironisches Ende ist eben immer noch enttäuschend. Trotzdem gut.

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Der Exorzist (1973)

Eigentlich erstaunlich, dass ein Film gleichzeitig nicht wenige der womöglich besten Horrorszenen der Filmgeschichte kreieren und mich gleichzeitig dermaßen enttäuschen konnte. Das heißt keineswegs, dass “Der Exorzist” nicht gut sei, aber, dass schmerzlich viel Potenzial nicht ausgereizt wurde. Das Problem ist nämlich, dass mindestens eine halbe Stunde vollkommen entbehrlich ist für den eigentlichen Verlauf, schlichtweg langweilig und ziellos. Ich habe nichts gegen charakterintensive Exposition oder gemächliche Narration, und ich preise den Versuch, einen Horrorfilm mit würdiger Story und Anspruch drehen zu wollen, aber während William Friedkin in den Besessenheits-Szenen herrlich die inszenatorische Schocksau rauslässt, hätten all die Elemente drumherum kaum dröger gefilmt und geschrieben werden können. Nichtsdestotrotz will ich betonen, wie einzigartig und lobenswert es ist, hier einen Film zu sehen, der gleichzeitig genretreu und eine Ausarbeitung über das Verhältnis von Wissenschaft und dem Unerklärlichen ist. Und wenn dann endlich der kultige Max von Sydow auftritt und der eigentliche Exorzismus feurig entbrennt, dann hat man all die überflüssigen Minuten schon fast wieder vergessen.

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Twin Peaks - Der Film (1992)

Viel wurde dem Prequel zu Lynchs großartiger, absurder und einzigartiger Serien-Revolution vorgeworfen, zu obszön zu sein. Daran konnte ich nichts schlimmes finden, da es ihm ein offensichtliches Vergnügen war, sich kompromisslos im Sündenpfuhl Twin Peaks zu suhlen. Auch alles andere, was Fans an Surrealismus und Verwirrung an einem Lynch-Film lieben, bekommt man hier in ungewohnt hoher Potenz. Zu sagen, dem Film mangele es an jeglicher Eigenständigkeit, ist jedoch ein berechtigter Einwand. Nichtkenner der Serie steigen nach wenigen Minuten gezwungenermaßen aus, und Kenner bekommen praktisch keinen neuen Inhalt geboten. Zudem schießt Lynch mit aller Ausuferung atmosphärisch am reservierten Ton der Serie vorbei.
Anschließend hat es mir als Groupie Freude bereitet, noch mal ins Universum und in Lynchs visuelles Vokabular einzusteigen und den Wahnsinn zu genießen. Als eigener Film ist dies jedoch sein wohl bisher schwächster Eintrag, mehr einer kunstvollen Fanfiction gleichend.

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